Testbericht Chrysler Sebring Convertible

In Kalifornien hatte ich die Gelegenheit für 9 Tage das brandneue Chrysler Sebring Cabrio der dritten Generation zu fahren. Eigentlich wollte ich ein Ford Mustang Convertible ausleihen. Aber das scheiterte leider daran, dass mein Koffer nicht einmal bei geschlossenem Verdeck durch die relativ kleine Kofferraumöffnung passte. Als Urlaubsfahrzeug schied der Ford Mustang deshalb sofort aus.

Chrysler Sebring Convertible

Doch um es gleich vorwegzunehmen, auch der Kofferraum des Chryslers war eine herbe Enttäuschung. Die beiden Vorgängergenerationen hatte noch einen Kofferraum unfassbarer Größe in der sich locker das Urlaubsgepäck von vier California-Touristen verstauen lies. Doch dazu später mehr.

Außer dem angeblich vom (erfolglosen) Chrysler Crossfire inspiriertem Äußeren wurde beim Sebring die Unsitte des Stahlfaltdachs aufgegriffen. Dieses wurde von der deutschen und zur Zeit notleidenden Firma Karmann entwickelt und gebaut. Das Dach gibt es in zwei Varianten, als Soft- und als Hardtop. Auch in der Softtop-Version ist der hintere Teil um die Glas-Heckscheibe aus Stahl und nur mit Stoff überzogen. Beide Varianten falten sich in den Kofferraum zusammen und belegen im geöffneten Zustand ein Großteil dessen. Als Touri ein Desaster für das mitreisende Gepäck.

Begrüßt hat mich der Sebring noch mit diesem Sticker:

Chrysler Sebring Convertible - DaimlerChrysler Quality Assured

Doch damit war es nicht weit her. Beim Abholen des Fahrzeugs wurde Los Angeles von den heftigsten Regenfällen seit 21 Jahren heimgesucht. Bereits auf dem Weg von Dollar Rent A Car spürte ich zunächst einige Regentropfen auf meinem Arm. Bei genauerer Analyse stellte ich fest, daß sich bei jedem Bremsen ein kleiner Wasserschwall aus dem linken Dachholm auf mich und meine Hose ergoß. Das Ansinnen sofort wieder umzukehren musste ich aufgrund des riesigen Verkehrsstauß und meiner Jetlag-Müdigkeit aufgeben. Als ich mich am nächsten Morgen in das Auto setzte, war mein Hinterteil auf einmal schlagartig nass. In der Nacht hatten größere Mengen Wasser den Weg durch das Karmann-Dach auf Fahrersitz und Rückenlehne gefunden. Trotz der vom Wetterbericht angekündigten Wetterbesserung hatte ich jetzt wirklich keine andere Wahl mehr als das Chrysler Sebring Convertible auszutauschen. Dies war bei Dollar problemlos möglich.

Mit dem umgetauschen Sebring hatte ich dann keine Wasser-Probleme mehr. Das könnte aber auch dran liegen, dass es nach dem Austausch nicht mehr geregnet hat. Was mir sofort aufgefallen ist, bei der Ausstattung ist im Vergleich zu den Vorgängerversion, mit denen ich schon oft gefahren bin, gespart worden. Das kann an Chrysler liegen, aber auch an der Autovermietung. Schmerzlich vermisst habe ich insbesondere den Bordcomputer mit der Reichweitenanzeige. Angesichts des dünnen Netzes von Tankstellen ausserhalb der Zivilisation ein nicht zu unterschätzendes Feature. Und jeder möchte doch zudem auch gerne wissen, wie warm es im Death Valley ist.

Zum ersten Mal hatte ich einen Mietwagen dagegen mit Sirius Satellite Radio. Sirius sendet via Satellit auf über 150 Kanälen , davon sind viele werbefreie Musikkanäle. Der Empfang des Bezahl-Radios ist wirklich gut. Nur ganz selten und dann meist durch Bäume verursacht gab es Empfangsstörungen. Nonstop und ohne Werbung Musik hören und dabei durch die Landschaft cruisen, das hat schon was Entspannendes.

Chrysler Sebring Convertible

Mein „Testwagen“ war mit dem, für amerikanische Verhältnisse, kleinsten Motor ausgestattet. Einem 2,4 Liter-Vierzylinder mit 173 PS. Der Motor ging ziemlich laut zu Werk und klang beim Beschleunigen stets angestrengt. Bei Steigungen hatte er Mühe den Chrysler mit erlaubter US-Höchstgeschwindigkeit voranzubringen. Ich hätte bei der Leistung eher auf 120 PS getippt.

Chrysler Sebring Convertible

Was braucht das Auto an Sprit? Keine Ahnung. Aber wen interessiert das wirklich? Der Liter Benzin kostet in den USA ca. 60 Euro-Cent.

Chrysler Sebring Convertible

Beim Fahrverhalten ist sicherheitshalber cruisen angesagt. Wie alle Ami-Schlitten ist auch der Sebring weich gefedert und unterdämpft. Ein Tribut an die oft katastrophalen Zustände amerikanischer Strassen. Schnelles Fahren wird sofort mit Quietschen akustisch rückgemeldet. Mit Versetzen auf Bodenwellen in schnell gefahrenen Kurven muss man rechnen. Aufgrund des Fahrverhaltens und der oft schlechten Strassen ist man meist aber viel langsamer unterwegs als man denkt. 75 Meilen, d.h. 120 km/h, kommt einem selbst auf einem 6-spurigen-Hightway schon wie unvernünftiges Rasen vor. Aber man ist auf jeden Fall komfortabel unterwegs und auch auf den Rücksitzen ist ausreichend Platz für Erwachsene vorhanden.

Chrysler Sebring Convertible

Das Dach öffnet und schließt bei der neuen Generation vollautomatisch. Es ist keine Entriegelung am Windschutzscheibenrahmen mehr notwendig. Die Glas-Heckscheibe und auch die hinteren Seitenscheiben sind für ein Cabrio sehr groß. Um das Dach öffnen zu können, muss eine zweigeteilte Trennklappe im Kofferraum umgelegt werden. Diese reduziert das Kofferraumvolumen dramatisch.

Chrysler Sebring Convertible

Unterhalb der Klappe bleibt ein Platz von maximal 10 cm Höhe übrig. Hier lassen sich gerade noch Jacken oder eine paar Chipstüte verstauen.

Chrysler Sebring Convertible

Bei geöffnetem Verdeck lässt sich gerade einmal ein Koffer im Kofferraum verstauen. Mein zugegebenermaßen sehr großer Koffer lies sich nur durch Quetschen und Gewalt unterbringen.

Chrysler Sebring Convertible

Chrysler Sebring Convertible

Wer mit viel Gepäck reist, sollte sich auf einen Koffer beschränken und lieber Reisetaschen mitnehmen. Alternativ lässt sich das Gepäck natürlich auch im Innenraum verstauen.

Chrysler hat sich keine Mühe gegeben, die ganze Verdeckmechanik durch Klappen oder Abdeckungen zu verbergen. Hier kann man die Ingenieurstechnik noch unverborgen geniessen.

Chrysler Sebring Convertible

Fazit: Der Chrysler Sebring Convertible ist noch immer das Auto für den Kalifornien-Urlaub. Entspannt cruisen und die unversperrte Aussicht in den Nationalparks geniessen, das geht mit ihm herrlich. Der Gepäcktransport bei geöffnetem Verdeck stellt aber ein ernstes Problem dar. Vier Erwachsene plus Gepäck, das geht kaum. Hier wünscht man sich ein Stoffverdeck zurück. Und mal ehrlich, so viel besser ist das Soft- bzw. Hardtop auch nicht.

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6 Antworten zu Testbericht Chrysler Sebring Convertible

  1. Thomas sagt:

    Hallo Klaus,

    danke für die umfassende Info, sind ab Montag für 16 Tage in Kalifornien unterwegs mit eventuell eben diesem Cabrio über Alamo gebucht. Du beschreibst, dass du maximal einen großen Koffer unterbekommen hast. Was ist mit zwei kleineren hinten in dem Minikofferaum. Sehe, das dies fast auch auf dem Foto unmöglich erscheint, wir müssen uns aber jetzt packtechnisch entscheiden, hast du da noch einen Tip ?

  2. Therese sagt:

    Guten Tag
    Ihr Bericht ist zwar schon etwas älter. Allerdings wäre es sehr hilfreich zu wissen, wie die Masse Ihres Koffers waren, damit wir wüssten, wie gross unser Gepäck höchstens sein darf.
    Wissen Sie das evt. noch?

    Freundliche Grüsse

  3. Klaus Nahr sagt:

    Hallo,
    75 * 50 * 36 cm.
    Schönen Urlaub
    Klaus

  4. Anton sagt:

    Ich habe mich auch in den Sebring verguckt. Jedesmal wenn ich in den Staaten meine Family besuche, dann habe ich mir ein Cabrio gemietet. Früher war mit dem Sebring Stoffverdeck ein Riesenkofferraum vorhanden. Irgendwann bekam ich den Schreck und erlebte genau dasselbe wie Klaus: Kofferraum auf – kaum Platz für Koffer dank dieser merkwürdige Trennklappe (bei geschlossene Verdeck. Wenn man irgendwo seine Basisstation hat und kleine Trips unternimmt, dann ist es okay, aber mit dem Wagen zu touren ist sehr unbequem geworden. Auf jeden Fall kann man dann mit normale Gepäckmenge mit geschlossenen Verdeck natürlich zu viert fahren. Offen geht es nicht mehr, da kann man vielleicht nur zu dritt und die Koffer auf der Rücksitz hochstapeln (wie cool😉.

    Ich bin am überlegen mir in Deutschland ein Sebring anzuschaffen, es ist der einzige wirklich bequeme und leistbare Wagen für eine Familie. Für mich kommt aber nur ein älteres Modell mit brauchbaren Kofferraum in Frage.

    Klaus, weiß Du bis wann der Verdeck bei dem Sebring noch nicht den Platz im Kofferraum weg nahm? Ich glaube bis 2007, oder?

    Im übrigen fuhr ich auch zwischendurch den Mustang Cabrio, aber der war deutlich enger, das Cruising-Gefühl wie beim Sebring kam nicht auf.

  5. Klaus Nahr sagt:

    Hallo Anton,
    das neue Sebring-Cabrio kam 2007 raus. Mustang Cabrio bin ich auch gefahren. Aber der ist doch eine Klasse kleiner. Für Cruising ist der Sebring die bessere Wahl.
    Klaus

  6. chrysler sagt:

    warum geht Ihr nicht einfach mit ´nem Zollstock zu einem Vorführwagen?

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